Sauberes Wasser, intakte Natur, einsame Strände - und das auf mehr als 500 Kilometern
Eine Küste, die für den Urlaub am Meer alle Vorzüge in sich vereint, gibts das? Endlose Sandstrände mit buntem, flottem Badeleben, versteckte Buchten, wo man nackt in der Sonne bräunen kann, mächtige Brandung, auf der Surfer reiten, ebenso wie ruhiges Wasser, in dem Kinder gefahrlos plantschen? Eine Küste, an der elegante Badeorte mit allem Schick - vom bewachten Strand mit bunten Badezelten übers Kasino, Viersternehotel, abendliches Festprogramm mit Stars der Musik- und Filmszene bis zu lebhafter Nightclub- und Diskoszene - ebenso zu finden sind wie idyllische Familienbadeorte, entstanden aus alten Fischerhäfen, oder Seebäder aus der Retorte, zugeschnitten auf Sport und Spiel, Service und Spaß? Wenn Sie die Wahl zwischen diesen Alternativen haben wollen, ist die Atlantikküste genau das Richtige.
Natürlich sind sauberes Wasser und gepflegte Strände eine weitere wichtige Voraussetzung für den gelungenen Badeurlaub. Die Französische Atlantikküste ist in diesem Punkt der Mittelmeerküste immer noch überlegen. Und von Rummel und Remmidemmi kann im Gegensatz zu Saint-Tropez, Nizza oder anderen Plätzen der Côte d'Azur auch nur ganz vereinzelt die Rede sein.
Schon in den Anfängen des Badetourismus, als die Damen noch berüscht und hochgeschlossen und die Herren in gestreiften Trikots vom Badewagen ins salzige Nass stiegen, war die Atlantikküste in, entwickelten sich Seebäder wie Arcachon, Royan und Biarritz. In der Belle Époque entstanden die prächtigen Grandhotels, Spielkasinos und verschnörkelten Villen, die das Bild der Badeorte prägten und teilweise noch erhalten sind.
Dass es nicht nur eine Atlantikküste gibt, wird schon durch Namen wie Côte d'Amour, Côte de Lumière und Côte d'Argent deutlich. Die Küste zwischen Loiremündung und spanischer Grenze ist in ganz verschiedene Abschnitte gegliedert: Zwischen Loire und Gironde ist die Küste von melancholisch-verträumter Herbheit. Weiter südlich, zwischen Gironde und Adour, prägen endlose Dünen und Kiefernwälder die Landschaft, während das Baskenland mit seiner Felsküste fast bukolisch-heiter wirkt.
Einen beeindruckenden Auftakt hält die Côte d'Amour mit dem großen Seebad La Baule bereit. Auf lange Sandstrände folgen Felsbuchten mit Stränden, zu denen nur Eingeweihte finden. Die meisten der idyllischen Fischerhäfen haben sich zu Badeorten gemausert, in denen man schön zwanglos und preiswert Urlaub machen kann. Statt eines abendlichen Corsos auf eleganter Strandpromenade und Kasinobesuch sieht man hier von Mole oder Kai dem Einlaufen der Fischkutter und Segelyachten zu. Statt großer Hotels liegen eingebettet in blühende Gärten und den Schatten der Kiefern hübsche alte Villen, Sommerhäuser und Pensionen.
Die endlose, flache Weite der Küstenregion südlich der Loire nimmt auf den ersten Blick nicht durch malerischen Liebreiz ein. Herb ist dieser Teil der Vendée, eine Marschlandschaft der unendlichen Horizonte. Wie aber sieht die Küste aus? Es gibt die Corniche Vendéenne, also eine Felsküste, es gibt die kilometerlangen, von Dünengürteln gesäumten, feinen Sandstrände von Les Sables-d'Olonne, La Tranche-sur-Mer und Saint-Jean-de-Monts. Diese Badeorte bieten, was man sich vom Urlaub an der See nur wünschen kann. Dank des milden Klimas reicht die Badesaison an diesem Küstenabschnitt bis in den Herbst hinein.
Wenns lieber eine Insel sein soll, bieten sich als Alternativen zu überlaufenen Mittelmeerinseln die Île de Noirmoutier, Île d'Yeu, Île de Ré und Île d'Oléron vor der Atlantikküste. Drei von ihnen sind über Brücken erreichbar. Außerdem haben alle prächtige Sandstrände und eine große Auswahl an Unterkünften. Allerdings gibt es keine Bettenburgen in Beton, keinen Rummel, kein lautstarkes Nachtleben, keinen Nepp.
Die Badeorte der Côte d'Argent sind bis auf Arcachon von eigenem Zuschnitt. Hier konnte sich nicht wie an der nördlichen Atlantik- bzw. Kanalküste der Typ des Belle-Époque-Seebades à la Deauville als geplante Neugründung entwickeln. Dazu lagen die Strände zu weit von Paris und anderen Zentren des Landes entfernt. Wie gesagt ist Arcachon hier die Ausnahme, daneben noch Biarritz und Saint-Jean-de-Luz nahe der spanischen Grenze und genau genommen schon an der Côte des Basques gelegen. An der Côte d'Argent rollen die Wellen des Atlantiks in endloser Kette auf den ebenso endlosen Strand. Cap-Ferret und Lacanau-Océan wie auch die anderen, spärlich gesäten Badeplätze an der nördlichen Côte d'Argent zwischen Girondemündung und Bassin d'Arcachon nahmen im Lauf der letzten 20 Jahre einen bemerkenswerten Aufschwung. Versuchsweise wurde sogar in Beton gebaut (Lacanau-Océan), wie man in Frankreich missbilligend zur Kenntnis nahm. Aus deutscher Sicht handelt es sich um einen bescheidenen Versuch, nicht zu vergleichen mit den Betonsilos an anderen Küsten.
Der Trumpf von Aquitanien, dem französischen Südwesten von der Gironde bis zu den Pyrenäen, ist nicht allein die Küste. Das Bordelais rings um Bordeaux mit seinen fast 5000 Weinschlössern beziehungsweise -gütern, darunter viele weltberühmte Adressen, ist allemal eine Erkundung wert.
Südlich des Bassin d'Arcachon beginnt die Landschaft von Les Landes. Das früher von Wanderdünen und Flugsand heimgesuchte, flache Sumpf- und Heideland, in dem Hirten auf Stelzen über ihre Herden wachten, wurde im 19. Jh. großflächig mit Pinien und Korkeichen bepflanzt. Es ist mit rund 10 000 km² das größte Waldgebiet Frankreichs. Zusammen mit der schnurgeraden Küste aus gut 100 km Sandstrand bildet es ein in ganz Europa einmaliges Feriengebiet.
Baden an der Côte d'Argent bedeutet jedoch nicht nur Sandstrand im Überfluss und atlantische Brandung. Eine Besonderheit sind die großen Meer- und Süßwasserseen parallel zur Küste: vom Lac d'Hourtin-Carcans im nördlichen Abschnitt über die Seen Lac de Lacanau, Lac de Cazaux, Lac de Biscarrosse bis zum Lac de Léon. Sie sind ideale Bade- und Wassersportreviere für Familien mit Kindern. In den Uferzonen liegen unter den allgegenwärtigen Pinien Feriensiedlungen, Sommerhäuschen, Hotels, Restaurants, Sportanlagen und Campingplätze.
Die südlichsten Badeorte an der Côte d'Argent sind Capbreton und Hossegor. In Sichtweite liegt Biarritz, wo die felsige Côte des Basques mit ihren Sandbuchten beginnt. Biarritz - wie auch das benachbarte Saint- Jean-de-Luz - ist für Eingeweihte kein End-, sondern Höhepunkt der Französischen Atlantikküste.
Mehr