Zahlreiche Aussichtstürme gewähren weite Blicke auf das Grenzgebirge zwischen Sachsen und Böhmen und das sich westlich anschließende Vogtland
Das Erzgebirge trägt den liebevollen Beinamen »Weihnachtsland«. Denn nirgendwo anders in Deutschland erstrahlen Städte und Dörfer in den letzten Wochen des Jahres in solchem Lichterglanz, sind so viele Sitten und Bräuche mit dieser Zeit verbunden. Ihren Ursprung haben sie im Bergbau: Das Licht ist für den Bergmann seit jeher ein Zeichen für Leben und Hoffnung, für Geborgenheit und Glück. Früh, noch vor Sonnenaufgang, fuhr er ins Dunkle ein, und wenn er abends heimkehrte, war es meist schon wieder Nacht. Statt »guten Tag« wünschte man sich ein »Glück auf«, das zum Bergmannsgruß wurde und noch heute gebräuchlich ist.
Der Bergbau hat aber nicht nur das Weihnachtsfest geprägt, er hat das Erzgebirge seit 800 Jahren vielfältig geformt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum ersten Mal ertönte das »Bergkgeschrey« Mitte des 12. Jhs., 300 Jahre später brach in der Region ein regelrechtes Silberfieber aus. Maulwürfen gleich wühlten die Bergleute Gänge in die Erde. Etliche davon blieben erhalten. Sie ziehen in unseren Tagen Tausende Touristen an, die in die Berge steigen oder fahren, um sich in den heutigen Schaubergwerken einen Eindruck vom schweren Bergmannsleben zu verschaffen.
Der Bergbau hat das Erzgebirge im späten Mittelalter zu einer reichen Gegend in Deutschland gemacht. Welch ein Glück für jene, die in unseren Tagen in dieser Region auf den Tourismus setzen. So können sie neben schöner Natur und historischen Bergbauanlagen auch gewaltige Hallenkirchen, reich geschmückte Bürgerhäuser und wehrhafte Dorfkirchen präsentieren. Die in Zwickau beginnende 250 km lange Touristen-Silberstraße verbindet heute die traditionsreichsten Städte und Dörfer mit der sächsischen Landeshauptstadt Dresden.
Die höchsten und schönsten Berge jedoch hat die Natur geschaffen. Auf mindestens zwei Dutzend von ihnen zwischen Schönberg im Vogtland und Altenberg im Osterzgebirge wurden Aussichtstürme errichtet. Bei schönem Wetter bieten sie herrliche Fernsichten auf sanftwellige Höhen, aufgesetzte Kuppen, lang gestreckte oder tief eingeschnittene Täler und auf stille Dörfer. Um die blumenübersäten Berg- und Feuchtwiesen, die Fluss- und Bachtäler, geheimnisvollen Hochmoore und dunklen Bergmischwälder zu erhalten, schuf man den Naturpark Erzgebirge/Vogtland. Als schmales Band zieht er sich vom Vogtlandort Schönberg bis Holzhau im Osterzgebirge hin.
Das Erzgebirge und das Vogtland haben zu allen Jahreszeiten ihren Reiz. IDie schönste Zeit ist aber unbestritten die um Weihnachten. Bereits vor dem ersten Advent werden Engel, Schwibbögen und Bergmänner aufgestellt, ganze Räuchermännl-Kompanien halten in den Stuben Einzug. Tausende von Kerzen leuchten aus den Fenstern in die Dunkelheit, in den Vorgärten stehen mit Kerzen bestückte Weihnachtsbäume, und auf Plätzen drehen sich meterhohe beleuchtete Pyramiden. Als Vetter des erzgebirgischen Lichterbergmanns gilt übrigens der vogtländische Moosmann, ein kleiner Wicht, der der Legende nach in ebenso kleinen Waldhöhlen hausen soll.
Mehr
Weniger