Buntes Treiben, mediterrane Lebensart und museales Flair - all das und noch viel mehr bietet die antike Metropole
Seit Barockbaumeister Gianlorenzo Berninis Zeiten war das historische Zentrum nicht mehr so herausgeputzt. Abgasgeschwärzte Fassaden erstrahlen wieder in frischen Farben, im Kolosseum und im Circus Maximus gibt es stimmungsvolle Popkonzerte, die Galleria Borghese ist nach 17-jähriger Restaurierung aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Aphrodite und andere göttliche Skulpturen residieren endlich wieder standesgemäß in den neuen Antikenmuseen Palazzo Altemps und Palazzo Massimo. Das Foro Romano, das Herz der Antike, steht nun allen Römern zum Lustwandeln offen, und an manchen Sonntagen sind die Via dei Fori Imperiali und die Via Appia Antica ein autofreies Fußgängerparadies. Wunderbares Rom!
Wer Rom entdecken will, muss auf die Piazza gehen. Sie ersetzt den Römern den salotto, die gute Stube, denn viele wohnen laut und scheußlich an der Peripherie oder eng auf eng bei der Schwiegermutter. Aber die Piazza ist das Leben: Markt, Jahrmarkt, Schwatzbörse, Demonstrations- und Andachtsort, Richtstätte des guten Geschmacks und Circus Maximus der Eitelkeit, wo die Italiener ihrer kostenlosen Lieblingsbeschäftigung nachgehen und bella figura machen. Das heißt, mit unnachahmlicher Eleganz, dem banalen Alltag enthoben, herumstehen und nebenbei ein Auge auf ansehnliche Touristinnen werfen.
In Rom gibt es für jeden die passende Piazza. Mag Papst Benedikt XVI. über dem größten, pompösesten und fotogensten Platz, dem Petersplatz, wohnen und thronen - für die meisten Römer ist die Piazza Navona einer der beliebtesten Treffpunkte: lang gestreckt und doch geschlossen, lebhaft, farbig und doch intim. Dabei ist auch diese barocke Bühne weltlicher Lustbarkeiten ein Werk der Päpste - wie viele der dekorativsten Plätze und Straßen in Rom. Auf dem Grundriss des antiken Wettkampfstadions von Kaiser Domitian (86 n. Chr.) ließ Papst Innozenz X. im 17. Jh. den barocken circo agonale (griechisch: agon = Wettkampf) bauen, den die Römer zu »Navona« verballhornten. Patrizier und Kirchenfürsten vergnügten sich von den Fenstern ihrer Paläste aus an wilden Kampfspielen. Wo Sie heute über den Platz schlendern, rasten früher die Pferde wie beim Palio von Siena im Kreis, tobten die Stierkämpfe nach klassischem Vorbild.
Rom bietet 3000 Jahre Geschichte, verewigt in berühmten Werken wie die 77. kapitolinische Kaiserbüste, das Kolosseum, Michelangelos Moses oder Berninis Tritonenbrunnen. Tränen werden Ihnen - vor Erschöpfung - fließen beim Anblick der verschlungenen Laokoongruppe bei Kilometer 5,5 in den Musei Vaticani, den größten der Welt. Der Atem wird Ihnen stocken vor Schönheit und Gedränge in den Stanzen von Raffael. Die Massen haben ein Recht auf die Sixtinische Kapelle, schrieb Ingeborg Bachmann, zumal jetzt, wo Michelangelos Schöpfungsgeschichte und das »Jüngste Gericht« im restaurierten Glanz erstrahlen.
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