Reise durch ein heißes Land - mit großherzigen Menschen, herber Landschaft und Schönheit gewordener Geschichte
Mittags in Aznalcázar, irgendwo in der Provinz Sevilla. Die Sonne brennt vom Himmel. Die gekalkten Wände der zweistöckigen Häuser strahlen weiß zurück. Trotzig strecken die Geranien an den Balkonen ihre rosa Blüten ins Licht. Die Rollos vor den Fenstern sind heruntergelassen, die Läden geschlossen. Die Schnurvorhänge an den Hauseingängen bewegen sich sacht. Drinnen ist das Geklapper von Geschirr zu hören, die Hausfrau stellt das Essen auf den Tisch, der Fernseher plärrt. Auf der Straße fast kein Laut. Nur im Schatten einer Platane ein paar Jungs, die breitbeinig und mit nacktem Oberkörper auf ihren Mopeds sitzen und zu den beiden Mädchen schielen, die sich abseits kichernd unterhalten.
Andalusien ist heiß. Im Sommer sehr heiß. Die Hitze bestimmt das Sein. Die Menschen, die sich mittags in ihre dunklen Häuser verkriechen, strömen am späten Nachmittag hinaus auf die Straße, hinaus ins Leben. Die Alten, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, stellen einen Stuhl vor die Haustür und registrieren jede Bewegung. Nachher teilen sie ihr Wissen großzügig mit der Nachbarin. Die Männer debattieren über Fußball. Keiner lässt den anderen ausreden. Wer ihre Sprache nicht spricht, könnte meinen, dass sie ernsthaft streiten. Dazwischen toben die Kinder, und keiner käme auf die Idee, sie ins Bett zu schicken.
Andalusien ist heiß und meist trocken. Das prägt die Landschaft: Wüste rund um Almería, schroffe Felsen in der Sierra Subbética von Córdoba, karge Vegetation in den Alpujarras. Immer haben die Menschen diesem harten Land noch etwas zum Leben abgerungen. Aber da liegen auch die liebliche Sierra de Aracena, die regenreiche Sierra de Grazalema, die kiefernbestandene Sierra de Cazorla. Und schließlich das Meer. 1100 km Küste, zwei Drittel Mittelmeer, ein Drittel Atlantik. Die Nordeuropäer sind wie verrückt nach den Stränden der Costa del Sol. Keine Traumstrände, viele Kiesel, aber allemal besser als die Nordseeküste, schließlich scheint hier die Sonne. Die Costa de la Luz am Atlantik ist weniger überlaufen, weniger verbaut und bietet breitere Strände. Die Touristen zieren sich trotzdem: Das Wasser ist ein wenig kühler, der Wind zaust die Frisur.
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