Abenteuerspielplatz für die Fun-Generation oder Ruheoase für Müßiggänger? Der Gardasee ist beides zugleich.
So könnte es zum Beispiel geschehen: Eher unwillig folgen Sie der Einladung eines Freundes oder einer Freundin zu einem Kurzurlaub an den Gardasee. Sie haben viel von diesem italienischen See gehört, und manches war nicht sehr schmeichelhaft. Überfüllt soll es dort sein, recht touristisch zugehen. Doch dann sitzen Sie beim Cappuccino am Altstadtplatz in
Desenzano oder in einem Café an der Seepromenade von
Salò, Sie blicken auf die spiegelnde Wasserfläche, und Ihnen rutscht der Satz heraus: »Doch. Schön hier.« Wundern Sie sich nicht, das geht fast jedem so: Dem Charme des Gardasees zu erliegen ist keine Schande!
Schon die Lage des Sees ist spektakulär: Das schmale Nordende ragt noch in die Alpen, das weite Südende schon fast in die Poebene. Der Gardasee liegt auf nur 65 m über dem Meeresspiegel, die Gipfel des Monte Baldo ragen mehr als 2000 m über den See heraus. (Können Sie sich vorstellen, was für einen Blick man von dort oben hat?!) Die Länge des größten italienischen Sees beträgt 51 km, an seiner breitesten Stelle misst er 17 km, an seiner tiefsten Stelle ist er 346 m tief.
Es gibt wohl nicht viele Seen, die so viele unterschiedliche Gesichter und damit für so viele verschiedene Ansprüche das passende Urlaubsangebot haben. Wer Ruhe sucht und bei der Lektüre der Zeitung oder eines Buches nicht viel mehr hören möchte als das klack, klack von Segelbespannungen im Wind und dazu ein tiefes dong, dong beim Aneinanderstoßen von Booten, der ist in
Gargnano gut aufgehoben: In der Mitte des Westufers wohnt die Ruhe.
Während ruheliebende Urlauber eher das Westufer ansteuern werden, fühlt sich in
Bardolino und
Garda wohl, wer abends lange unter Menschen sein möchte. In den Gassen der Altstädte ist es dann fast voller als tagsüber, und bis Mitternacht sieht man sogar kleine, blonde Kinder noch mit einer Eistüte in der Hand. Hier dürfen sie mal bambini sein und so lange aufbleiben wie die italienischen Kinder scheinbar andauernd. Junge Erwachsene werden das Südufer anlaufen, wenn sie auf richtiges Nightlife stehen. In der Umgebung von
Desenzano locken einige der größten Diskotheken Italiens.
Wer es im Urlaub sportlich liebt, wird in den Norden fahren; das dortige Ufer scheint manchmal ein einziger großer Abenteuerspielplatz zu sein. In den steilen Tälern und wilden Bächen des Trentino haben das Kajakfahren sowie Schwimmen, Surfen, Segeln und Tauchen Tradition. Nun ist noch das Rafting hinzugekommen. Wem all das nicht reicht, versucht es vielleicht gar mit Canyoning.
Mountainbiker und Wanderer durchkämmen die Berghänge; wo sie nicht mehr weiterkommen, hängen Sportkletterer an senkrechten Wänden, zum Teil sogar direkt über dem See. An Sommerwochenenden veranstalten die Fremdenverkehrsämter der Olivenriviera Ausflüge und geführte Touren auf den Monte Baldo, an manchen Wochenenden auch in deutscher Sprache. Es gibt botanische Ausflüge, Touren zu kirchlichen Festen und Vollmondwanderungen. Und auf dem See ficht die Armada der Surfer ihre Kämpfe gegen den oder mit dem Wind.